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  • Nadine Holthaus

Anton und Annemarie

Anton ist ein 9 jähriger Lusitano Wallach aus Spanien. Er wurde spät gelegt, erst mit 7 Jahren, genau ein Jahr bevor er zu Annemarie kam. Antons Geschichte, so wie sie Annemarie erzählt wurde, weist einige Ungereimtheiten auf. Zunächst wurde er als vielversprechender Dressurhengst nach Deutschland gebracht, dort professionell ausgebildet. Dann erfolgte der erste Verkauf an eine „Turniereiterin“. Dort gab es dann einige Probleme, bis es zu der Entscheidung kam Anton legen zu lassen. Doch auch diese Maßnahme bracht nicht den gewünschten Erfolg - die Probleme blieben und wurden schlimmer. Anton wurde also wieder inseriert und so kam er zu Annemarie.

Annemarie war als junge Frau eine talentierte und passionierte Reiterin. Leider musste sie ihre Leidenschaft zugunsten der damals noch priorisierten ehelichen und gesellschaftlichen Pflichten, aufgeben. Doch vor einigen Jahren, Annemarie ist mittlerweile über 70 Jahre, erfüllte sie sich ihren Traum erneut. Sie buchte ein Camp und landete in meiner Gruppe.

Seitdem ist Annemarie voll in der Pferdewelt angekommen.

Ihr Vorgehen war optimal, denn sie besuchte so einige Camps, nahm eine Reitbeteiligung und sammelte Erfahrungen. Dann der Entschluß: Anton soll es werden, das erste eigene Pferd nach über 40 Jahren Pause.

Als ich Annemarie und Anton das erste mal besuchte, wurde deutlich: es wird viel Zeit vergehen, bis Annemarie den ersten sicheren Ausritt machen kann. Anton hatte sich beim ausladen verletzt. Er war vollkommen panisch rückwärts aus dem Hänger gestürmt. Es war also auch klar: Verladetraining steht auch an. Aufgrund der Verletzung machten wir eine ganz gemütliche Bestandsaufnahme, frei. Anton lief überwiegend im Schritt, Annemarie positionierte sich nach meinen Anweisungen. Dabei nutze sie nur ihren Körper, also ohne weitere Hilfsmittel. So konnten wir ein erstes Band knüpfen. Wichtig war: Atmen! Anton war noch sehr spannig und misstrauisch, jede Anspannung beäugte er erstmal aus der Ferne. Durch intensives Atmen- und Bewegungstraining lockerte sich Annemarie merklich und auch von Anton wich die Anspannung.

Nach 2 weiteren Terminen, konnte Annemarie einige Zeit alleine weiter machen. Sie erzielte große Erfolge. Denn nun ist Anton soweit, sich auch fremden Gegenüber zu nähern, sich überall anfassen zu lassen. Er läuft problemlos an der Longe, er schließt sich frei gerne an. Auch das Verladen klappt vorbildlich. Er hat seinen Takt am Menschen gefunden. Sowohl Annemarie als auch Anton pflegen ein losgelassenes Verhältnis.

Die Zeit ist gekommen, um mit Anton zusammen den nächsten Schritt vorzubereiten: die Anlehnung.

Auch hier stoßen wir wieder auf interessante Zusammenhänge: die innere Einstellung zu der nun erforderlichen körperlichen Arbeit verändert das Verhältnis zwischen Anton und Annemarie.

Diese innere Einstellung werden wir im nächsten Blogeintrag thematisieren.

Bleibt dran :)


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